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Himba
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Als Himba, eigentlich OvaHimba bzw. Ovahimba (Himba ist Singular), bezeichnet man ein kulturell von den Herero unterscheidbares indigenes Volk bzw. Clan im Norden Namibias und im SĂŒden Angolas. Die Himba gehören zur Sprachfamilie der Bantu. Etwa 35.000 Menschen soll dieses Hirtenvolk im Jahre 2023 umfasst haben,cite-ref-1[1] doch ist die Zugehörigkeit zu den Himba vielfach eine persönliche Entscheidung, die Ă€ußerlich unmittelbar erkennbar ist. Sie gelten als letztes (halb)nomadisches Volk Namibias, wĂ€hrend sie sich in Angola mit dieser Lebensweise in der Gesellschaft der Vakuval(e) und der Mundimba befinden.

Contents

‱ Geschichte
‱ Kultur
‱ Hausbau
‱ Erbrecht
‱ Sprache
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geschichte

Himba wanderten als Teil der historischen Herero im 15./16. Jahrhundert aus dem Betschuanaland (dem heutigen Botswana) in das heutige Namibia, ein kleiner Teil spĂ€ter auch in angrenzende Gebiete des heutigen Angola. In Namibia leben sie als nomadische JĂ€ger und Sammler im Nordwesten, im Kaokoland am Kunene (zwischen Angola und den ehemaligen Homelands Owamboland und Damaraland). Die Bezeichnung „Himba“ erscheint in den Quellen jedoch erst erheblich spĂ€ter. Erstmals nannte sie der Missionar Heinrich Vedder so.cite-ref-2[2] Damit wurde keine ethnische Unterscheidung betont, sondern eine soziokulturelle, denn Sprache und Kultur teilten die Himba mit den Herero und den Ovatjimba. Letztere lebten zwar gleichfalls als Rinderhirten, doch waren sie weniger erfolgreich, die Herden der Himba waren erheblich grĂ¶ĂŸer. Tjimba wurde geradezu zu einer Bezeichnung fĂŒr arme, erfolglose Hirten mit wenig oder gar keinem Vieh. Dies fĂŒhrte dazu, dass sich viele Tjimba als Himba bezeichneten und bald auch betrachteten. So kam es 1927 zur Feststellung, dass 63 % der Bevölkerung als Himba galten, aber nur noch 18 % als Tjimba. Als die Tjimba jedoch 1952 gegen ihre politische Marginalisierung protestierten, galten 47 % der KaokolĂ€nder als Tjimba und nur noch 34 % als Himba. Dies war nicht nur Anzeichen eines verĂ€nderten Selbstbildes, sondern auch der VerĂ€nderung der Zugehörigkeit zum Land und seiner indigenen Bevölkerung. Dies richtete sich gegen die Vormacht der Herero.cite-ref-3[3]

Die von den ĂŒbrigen Hererovölkern rĂ€umlich getrennten Siedlungsgebiete förderten eine getrennte Entwicklung, nicht zuletzt durch den Einfluss der Missionare auf die Herero und deren kriegerische Auseinandersetzungen mit den Nama. Die christianisierten Herero im Hereroland (im Umfeld von Okahandja, Windhoek und Otjimbingwe) unterschieden sich alsbald durch ihre Kleidung (die von der Ehefrau des Missionars Hahn „erfundene“, der viktorianischen Zeit entlehnte Herero-Tracht der Frauen hat hier ihren Ursprung) von ihren „heidnischen“ BrĂŒdern und Schwestern im Kaokoland und betrachteten diese bald, und zum Teil bis heute, als zweitklassige Menschen, was die Trennung beschleunigte und vertiefte. Daher tragen Himba im Allgemeinen keine westliche Kleidung, ziehen die Körperbemalung vor und betonen den Haarschmuck. Umgekehrt ist es durch bloßes Wechseln dieser GebrĂ€uche möglich, ein Herero zu werden.cite-ref-4[4]

Im 19. Jahrhundert sahen sich die Himba RaubzĂŒgen der aus dem SĂŒden kommenden Herero ausgesetzt und gerieten zudem in den Krieg der Kolonialmacht mit den Herero (1904). Seit sie zudem 1897 von der Rinderpest betroffen waren, flohen viele von ihnen nach Angola, das der portugiesischen Kolonialmacht unterstand. In ihrer wirtschaftlichen Not versuchten sich die portugiesischen Gruppen im Anbau von Hirse und Sorghum. Dort beteiligten sie sich auch an kommerziellen Großwildjagden, was etwa zwischen 1870 und 1895 die riesigen BestĂ€nde dezimierte, und Viehdiebstahl.

1907 wurde, um das Wild zu schĂŒtzen, die nördliche Region Deutsch-SĂŒdwestafrikas mit Etoscha-Pfanne und dem Siedlungsgebiet der Himba zum Naturschutzgebiet erklĂ€rt. Viele Himba verließen Angola nach 1900 wieder, beschleunigt nach 1910 – vielleicht um ihre traditionelle Lebensweise zu schĂŒtzen.cite-ref-5[5] HĂ€uptling (chief) Kahengombe veranlasste mehrere Gruppen, wieder nach SĂŒden zu ziehen. Um 1910 kehrte eine grĂ¶ĂŸere Himbagruppe unter ihrem FĂŒhrer Muhona Katiti zurĂŒck, ihm folgte der HererofĂŒhrer Vita Tom, dessen Gruppe sich 1917 im Kaokoland niederließ, das er schon 1912 aufgesucht hatte.cite-ref-6[6] Die deutschen Kolonialbehörden förderten auch die RĂŒckwanderung. Die Himba galten als mildes Volk, das man mit TaktgefĂŒhl leicht fĂŒhren könne.cite-ref-7[7]

1923 wies ihnen SĂŒdafrika, das das Land ĂŒber siebzig Jahre lang beherrschen sollte, ein Reservat zu. Das Kaokoland wurde in drei Reservate aufgeteilt. Dabei fĂŒhrte Vita Tom die Herero, Kahewa-Nawa die Tjimba und Muhona Katiti die Himba. Der Zensus von 1927 zeigt, dass Vita Tom 829 AnhĂ€nger hatte, Kahewa Nawa 378 und Muhona Katiti 426. Weitere 1549 Menschen ließen sich keinem der drei Chiefs zuordnen. Außerdem waren die rund 1200 Herero im sĂŒdlichen Kaokoland nicht in diese Aufteilung einbezogen.cite-ref-8[8] Sie durften aber weder Handel treiben noch ihr Vieh frei weiden lassen. So verarmten die einst wohlhabenden ViehzĂŒchter. Das sogenannte Homeland Kaokoveld (Kaokoland) erhielt noch nicht einmal eine eigene Regierung.

In den 1950er Jahren existierten zehn Councillor Headmen, die dem Kaokoland Tribal Council angehörten, dessen Versammlungen sie jedoch selten besuchten. Stattdessen herrschten in Opuwo die Herero vor, zumal der dortige Beamte annahm, dass die Himba-Headmen keine Kontrolle ĂŒber ihr Volk hatten. 1952 kam es erstmals zu einer Beschwerde darĂŒber, dass die Himba vielfach von ihrem Land vertrieben wurden.cite-ref-9[9]

Als in den achtziger Jahren DĂŒrre und Krieg wĂŒteten, stand die Kultur der Himba am Abgrund. Rund zwei Drittel ihres Viehbestandes (etwa 130.000 Tiere) verendeten. Viele MĂ€nner waren gezwungen, sich bei der sĂŒdafrikanischen Armee anwerben zu lassen, und kĂ€mpften gegen die Guerrilleros, die fĂŒr Namibias UnabhĂ€ngigkeit kĂ€mpften. Gleichzeitig mit dem Ende des Aufstandes und der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung Namibias kam auch der Regen zurĂŒck, und die ViehbestĂ€nde der Himba wuchsen wieder an.

Doch nun bedroht das Projekt eines gewaltigen Stausees am Kunene und die vorgesehene Überschwemmung ihres Landes die Himbabevölkerung. Die Kultur der Himba kann darĂŒber hinaus durch Tourismus und Verkehrserschließungen ĂŒberfordert werden und sie in das Schicksal zahlreicher anderer indigenen Völker einreihen: der Lethargie, dem Alkohol, der Prostitution und der sozialen Desintegration.

Seit der UnabhĂ€ngigkeit Namibias hat sich die Ethnologie noch stĂ€rker als zuvor mit den Himba auseinandergesetzt, was dazu fĂŒhrte, dass man geradezu von einer „Himbanisation“ der namibischen Ethnologie sprach.cite-ref-10[10] Dabei galten die Himba als selbstgenĂŒgsame, isolierte aber erfolgreiche Hirten, die Tjimba als arme JĂ€ger und Sammler und die Herero als der westlichen Zivilisation Anheimgefallene.cite-ref-11[11] Kaoko wurde spĂ€testens in den 70er Jahren zu einem vor-kolonialen, ungezĂ€hmten Teil des Landes stilisiert, fernab von den BrutalitĂ€ten und Ungleichheiten der ĂŒbrigen Kolonialwelt.

Heutige Situation

Die Himba gliedern sich in drei anerkannte traditionelle Verwaltungen:

‱ Kapika, bei Epupa
‱ Otjikaoko, bei Opuwo
‱ Vita (Thom) Royal House, bei Opuwo (ursprĂŒnglich reine Herero)

Himba in Namibia (man schĂ€tzt das Volk auf etwa 7000 Menschen) leben auch heute noch – vergleichsweise unberĂŒhrt von der europĂ€ischen Zivilisation – in ihrer sich stĂ€ndig anpassenden und verĂ€ndernden Tradition als nomadisierende ViehzĂŒchter, JĂ€ger und Sammler vor allem im Kaokoland, aber auch auf der angolanischen Seite des Kunene. Viele leben ohne Personalausweis und Urkunde in materiell extrem einfachen VerhĂ€ltnissen. Wohlhabend im herkömmlichen Sinn war dieser Bantu-Stamm nie, dennoch empfinden sich Himba als vermögend, wenn sie eine große Viehherde besitzen und die Ernte gut war. Vor rund 100 Jahren wurden seine Mitglieder von kriegerischen Nama ĂŒberfallen und ausgeraubt. Sie mussten bei den Nachbarn um Almosen bitten und wurden daher „Himba“ genannt, was Bettler bedeutet.

Menschenrechte

Gruppen der letzten verbliebenen JĂ€ger und Sammler sollen (Stand 2012) in bewachten Lagern im nördlichen Teil der Kunene-Region in Namibia gehalten, trotz Beschwerden von den traditionellen HimbafĂŒhrern, dass die Ovatwa dort ohne ihre Zustimmung und gegen ihren Willen festgehalten werden.cite-ref-osi-12-0[12]

Im Februar 2012 unterzeichneten die traditionellen Himba-FĂŒhrercite-ref-galdu-13-0[13] zwei Deklarationencite-ref-earthpeoples-14-0[14]cite-ref-newsodrome-15-0[15] welche von Earth Peoples, einer internationalen Menschenrechtsorganisation, bei der Afrikanischen Union und den Vereinten Nationen eingereicht wurden.

In der Deklaration der am stĂ€rksten betroffenen Ovahimba, Ovatwa (eigentlich Ovatue), Ovatjimba und Ovazemba gegen den Orokawe Staudamm in den Baynes Bergencite-ref-ep1061-16-0[16], wo nun 60 km unterhalb des frĂŒheren Standorts ein Staudamm gebaut werden soll, erklĂ€rten die regionalen Himba-HĂ€uptlinge und -Gemeinden, welche in der NĂ€he des Kunene-Flusses und den Bannes-Bergen leben, ihren Protest und EinwĂ€nde gegen den geplanten Staudamm. Die Deklaration der traditionellen Himba-HĂ€uptlinge vom Kaokoland in Namibiacite-ref-ep1071-17-0[17] wurde von allen Himba-FĂŒhrern unterschrieben und listet eine ganze Reihe von Menschenrechtsverletzungen ihrer indigenen Rechte auf, welche ihrer Auffassung nach von der Regierung an den Himba verĂŒbt werden.

Daraufhin besuchte der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen ĂŒber die Rechte der indigenen Völker, James Anaya, die Himba im September 2012 und notierte ihre Probleme und ihre Anliegen.cite-ref-ohchr-18-0[18]

Am 23. November 2012 protestierten hunderte von Himba und Zemba in Okanguati, Epupa, gegen Namibias PlÀne, einen Staudamm zu bauen.cite-ref-19[19]

Am 25. MĂ€rz 2013 protestierten ĂŒber tausend Himba in Opuwo, um erneut auf die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen. Sie drĂŒckten ihre Frustration darĂŒber aus, dass ihre traditionellen FĂŒhrer nicht als solche von der Regierung anerkannt werden.cite-ref-20[20] Zudem legten diese Einspruch gegen PlĂ€ne zum Bau des Orokawe-Damms in den Baynesbergen am Kunene, ĂŒber kulturell unangemessene Bildung, ĂŒber das Fehlen von Landrechten auf dem Gebiet, wo sie seit Jahrhunderten gelebt haben, und gegen die Umsetzung des Communal Land Reform Act, 2002 ein.cite-ref-the-namibian-21-0[21]

Kultur

Subsistenzwirtschaft

Die Himba zĂŒchten ĂŒberwiegend Fettschwanzschafe und Ziegen, aber sie zĂ€hlen ihren Reichtum in der Anzahl ihrer Rinder. Auch betreiben sie Ackerbau. Eine wichtige Rolle spielen Kampferbaum und Mopane. So werden aus dem braunen Kampferbaum HolzgefĂ€ĂŸe, Löffel und die traditionellen Holzkopfkissen gefertigt. Das wasserhaltige, sĂŒĂŸe Mark des Baumes wird gekaut, ebenso wie das des schwarzen Kampferbaums. Der Mopane liefert neben Baumaterial auch biegsame Äste, die als Seile dienen. Dazu werden sie geschĂ€lt und in Wasser gelegt.

MĂŒndliche Kultur, Tanz und Gesang

Die Himba sind ein Volk mit einer oralen Tradition. Oft kommen sie zusammen, um gemeinsam zu tanzen und zu singen, wobei das Thema der oft spontan entstehenden Lieder die Gruppe ĂŒber die Sorgen, PlĂ€ne oder Erfolge der Menschen in Kenntnis setzt.cite-ref-youtube-2012-22-0[22]

Herrschaft und Verantwortung

Die Distrikte der Himba unterstehen traditionell je einem als King (König) oder Chief (HĂ€uptling) bezeichneten Mann, der jeden in seinem Bezirk wohnenden Menschen als zu seiner Familie gehörig betrachten sollte. Er hat die Aufgabe, Hunger und Durst von seinem Volk fernzuhalten, die WeidegrĂŒnde zu verteilen und den Kontakt zu Regierungsstellen zu pflegen. Innerhalb der Gemeinde ist er fĂŒr die Friedenswahrung und den Ausgleich verantwortlich, im Idealfall auch fĂŒr die medizinische Versorgung und die DrogenbekĂ€mpfung, ebenso wie fĂŒr die Bewahrung der Kultur. So ist er fĂŒr Hochzeiten und BegrĂ€bnisse verantwortlich, ebenso wie fĂŒr die Versorgung der Hinterbliebenen. Im Gegensatz zur Regierung in Windhoek beharren die Himba darauf, ihren Chief selbst zu wĂ€hlen. Der Administrator in der Hauptstadt entscheidet ĂŒber die Anerkennung oder Absetzung der Headmen.cite-ref-23[23]

Die Verbindung zum Volk stellen die Headmen her, die Beschwerden oder VorschlĂ€ge beim King vortragen. Eine Ă€hnliche Aufgabe hat der Senior councilor. Diese MĂ€nner beraten den König, können ihn aber auch absetzen, wenn er sie nicht ausreichend ĂŒber relevante VorgĂ€nge informiert. Das Ideal ist der König, der nur ausnahmsweise in die Entscheidungsprozesse eingreift, es sei denn in Beratungen.cite-ref-24[24]

Siehe auch

:

Traditionelle FĂŒhrer der Herero

Lebenszyklen, Ă€ußere Anzeichen

Ein besonderes Merkmal ist das Fehlen der unteren vier SchneidezĂ€hne, die in jungen Jahren herausgebrochen werden. Mit einem speziellen HolzstĂŒck werden die ZĂ€hne ohne Narkose herausgeschlagen, wobei im Anschluss die BlĂ€tter des Mopane-Baumes zu Schmerzstillung und Desinfektion verwendet werden. Im Laufe des Lebens Ă€ndert sich die Ă€ußere Erscheinung sowohl der MĂ€nner als auch der Frauen mit Blick auf Körperbemalung, Schmuck und Bekleidung.cite-ref-25[25]

Schmuck

Ihre Bekleidung – sowohl die der MĂ€nner wie die der Frauen – beschrĂ€nkt sich auf den ersten Blick auf knappe Lendenschurze aus Kalbsleder und Fell und gelegentlich selbst angefertigte Sandalen (aus Autoreifen). Viel grĂ¶ĂŸere Bedeutung haben bei ihnen jedoch Haartracht und Schmuck, fĂŒr deren KomplexitĂ€t lange nur Ethnologen einen Blick hatten. Man kann z. B. an der Beintracht erkennen, wie viele Kinder eine Himba-Frau hat. An den Hand- und Fußgelenken tragen einige der Frauen Messingringe. Auch HalsbĂ€nder werden vielfach getragen, die eine symbolische Bedeutung haben. Frauen mit weißen HalsbĂ€ndern sind noch ohne Kinder, MĂŒtter tragen ein braunes. Muscheln, die von HĂ€ndlern gegen Fleisch oder Leder getauscht werden, tragen die Frauen ebenfalls. Sie werden an die Töchter vererbt.

Haartracht

Die Frisuren bezeugen den sozialen Stand eines Gemeinschaftsmitglieds. MĂ€dchen tragen ihr Haar vor der PubertĂ€t in langen, mit PerlenschnĂŒren verzierten und ins Gesicht fallenden Fransen; zu zwei zur Stirn gerichteten Zöpfen hingegen heiratsfĂ€hige junge Frauen. In ĂŒberschulterlangen, gedrehten und mit Ocker eingeriebenen Flechten aus dem Gesicht gekĂ€mmt und mit Fellhaube geschmĂŒckt, prĂ€sentieren sich verheiratete Frauen. Trauernde tragen das Haar ungekĂ€mmt und offen. Nach der ersten Menstruation dĂŒrfen die MĂ€dchen, die nunmehr als Frauen gelten, eine Lammhaut auf dem Kopf tragen.

Die jungen MĂ€nner tragen einen mittigen, nach hinten gerichteten Zopf, die Seiten werden Ă€hnlich wie bei einem Irokesenschnitt abrasiert. Verheiratete MĂ€nner tragen zumeist ein schwarzes Kopftuch, auf das sie nur bei großer Trauer verzichten.

Dabei unterscheidet die Familien ein je eigener Stil.

Körperbemalung

Besonders auffĂ€llig ist die fettige Creme, mit der sich MĂ€nner wie Frauen einreiben. Sie verleiht ihnen nicht nur eine rote Hautfarbe, sondern schĂŒtzt auch vor dem extrem heißen und trockenen Klima des Kaokolands und vor StechmĂŒcken. Sie besteht aus Butterfett und Ockerfarbe, okra genannt. Der fĂ€rbende Bestandteil im natĂŒrlichen roten Ocker ist das Eisenoxid, dazu kommt das aromatische Harz des Omuzumba-Strauches.

Hausbau

Die HĂ€user der Himba sind kegelförmig angelegt, und sie werden mit PalmblĂ€ttern, Lehm und Dung gefertigt. Da die Himba mit ihrem Vieh regelmĂ€ĂŸig zwischen den Gehöften umherziehen, sind einige HĂ€user nur wĂ€hrend bestimmter Perioden bewohnt. Das Baumaterial wird vor allem aus dem Mopane-Baum gewonnen.

Erbrecht

WĂ€hrend das Vieh an die Kinder der Schwester vererbt wird, erhalten die eigenen Kinder das Vieh des Onkels mĂŒtterlicherseits. Nur die „heilige Herde“, die geweihten FeuerstĂ€be und die Verantwortung fĂŒr das heilige Feuer werden an den Sohn vererbt. Das Feuer darf nie verlöschen, da es die Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten aufrechterhĂ€lt.

Subsistenzwirtschaft und Tourismus

Außer Viehzucht (Rinder, Ziegen und Fettschwanzschafe) und ein wenig Mais- und KĂŒrbisanbau beschĂ€ftigen sich einige Himba-MĂ€nner mit der Fertigung einfacher Andenken und Werkzeuge, die sie direkt an Besucher verkaufen.

Insgesamt scheinen die Himba eine Wende eingeleitet zu haben: Hegegemeinschaften bestimmen ĂŒber das Vieh und auch ĂŒber den Tourismus. Es gibt mobile Schulen, in denen die Kinder Englisch lernen. Ihre Kultur hat viele Bedrohungen (DĂŒrrekatastrophen und den Namibischen Befreiungskampf) ĂŒberstanden und wird sich an manchen Stellen verĂ€ndern – aber sie hat wieder eine Überlebenschance. Anders ist die Situation der in der Umgebung von Opuwo verbliebenen Himba, der einzigen Stadt des Kaokolands.

Sprache

Die Sprache der Himba, das OtjiHimba (ein Dialekt des Herero) hat besondere wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren. Insbesondere unterscheiden die Himba einerseits zwar zwischen feinen GrĂŒntönen, andererseits aber nicht, wie europĂ€ische Sprachen, zwischen GrĂŒn und Blau. Die Himba zeigten in Versuchen Schwierigkeiten, die beiden Farben auseinanderzuhalten. Dieser Umstand wird als Argument fĂŒr die Sapir-Whorf-Hypothese gesehen.cite-ref-26[26]

Literatur

‱ Gerhard Unterkofler: Namibia. Mit einem Abstecher zu den ViktoriafĂ€llen und ins Okavangodelta; [eine abenteuerliche Reise im Land der San und Himba] (Ausstellungskatalog); Gnas: Weishaupt, 2005; ISBN 3-7059-0225-3.
‱ Eberhard Rothfuss, Erwin Vogl, Ernst Struck, Klaus Rother: Ethnotourismus – Wahrnehmungen und Handlungsstrategien der pastoralnomadischen Himba (Namibia): Ein hermeneutischer, handlungstheoretischer und methodischer 
 Beitrag aus sozialgeographischer Perspektive; UniversitĂ€t Passau, Lehrstuhl fĂŒr Anthropogeographie, 2004.
‱ Peter Pickford, Beverly Pickford, Margaret Jacobsohn: Himba – Die Nomaden Namibias; Edition Namibia, 3; Göttingen, Windhoek: Hess, 1998. ISBN 3-9804518-3-6, 1998.
‱ Klaus G. Förg, Gerhard Burkl: Himba. Namibias ockerrotes Volk; Rosenheim: Rosenheimer Verlagshaus, 2004. ISBN 3-475-53572-6.
‱ Heidi und Eberhard von Koenen: Das alte Kaokoland. Klaus Hess Verlag, Göttingen, Windhoek 2004, ISBN 3-933117-24-0.
‱ Henrica von der Behrens: Gartenbau der Himba: Ackerbauliche Bodennutzung einer pastoralnomadischen Gruppe im Nordwesten Namibias, Institut fĂŒr Völkerkunde, Köln 2003.
‱ Kuno F. R. Budack; IrenĂ€us Eibl-Eibesfeldt: Die Himba; in: Wulf Schiefenhövel, Johanna Uher, Robert Krell (Hrsg.): Im Spiegel der anderen. Aus dem Lebenswerk des Verhaltensforschers IrenĂ€us Eibl-Eibesfeldt; Realis, MĂŒnchen 2003; ISBN 3-930048-03-5; S. 46–55.
‱ Carol Ezzell: Die Himba und der große Damm, in: Spektrum der Wissenschaft, 2002, 74–83.
‱ Michael Bollig: Risk Management in a Hazardous Environment: A Comparative Study of Two Pastoral Societies; Pokot NW Kenya and Himba NW Namibia, Habilitation in Ethnologie an der Philosophischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t Köln, 1999.
‱ Michael Bollig: Contested Places. Graves and Graveyards in Himba Culture. In: Anthropos. Internationale Zeitschrift fĂŒr Völker- und Sprachenkunde, Jg. 92 (1997), S. 35–50.

Rundfunkberichte

‱ Jan-Philippe SchlĂŒter: HIMBA-NOMADEN – Leben wie vor 500 Jahren, Deutschlandfunk – „Hintergrund“ vom 22. Juni 2014

Weblinks

Commons

: Himba

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Lebendes Museum der OvaHimba
‱ HIZETJITWA Indigenous Peoples Organisation (HIPO) (englisch)
‱ The Ovahimba YearsŠLes annĂ©es Ovahimba (englisch/französisch)
‱ Earth Peoples (EarthPeoples) Himba Leader Declaration to the UN February 2012 (englisch)
‱ Earth Peoples (EarthPeoples) Video von Rebecca Sommer

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Namibia 2023 Population and Housing Census, Main Report. Namibia Statistics Agency, Oktober 2025, Anhang III, S. 90 ff.
cite-note-22. ↑ John T. Friedman: Imagining the Post-Apartheid State. An Ethnographic Account of Namibia. Berghahn, 2011, S. 184.
cite-note-33. ↑ John T. Friedman: Imagining the Post-Apartheid State. An Ethnographic Account of Namibia. Berghahn, 2011, S. 192.
cite-note-44. ↑ John T. Friedman: Imagining the Post-Apartheid State. An Ethnographic Account of Namibia. Berghahn, 2011, S. 269, Anm. 62.
cite-note-55. ↑ Patricia Hayes, Jeremy Silvester, Marion Wallace, Wolfram Hartmann: Namibia under South African Rule. Mobility & Containment, 1915-46, Oxford, Windhoek, Athens, Ohio 1998, S. 183.
cite-note-66. ↑ Patricia Hayes, Jeremy Silvester, Marion Wallace, Wolfram Hartmann: Namibia under South African Rule. Mobility & Containment, 1915-46, Oxford, Windhoek, Athens, Ohio 1998, S. 185.
cite-note-77. ↑ John T. Friedman: Imagining the Post-Apartheid State. An Ethnographic Account of Namibia. Berghahn, 2011, S. 44.
cite-note-88. ↑ Patricia Hayes, Jeremy Silvester, Marion Wallace, Wolfram Hartmann: Namibia under South African Rule. Mobility & Containment, 1915-46, Oxford, Windhoek, Athens, Ohio 1998, S. 190.
cite-note-99. ↑ John T. Friedman: Imagining the Post-Apartheid State. An Ethnographic Account of Namibia. Berghahn, 2011, S. 190.
cite-note-1010. ↑ John T. Friedman: Imagining The Post-apartheid State. An Ethnographic Account of Namibia, Berghahn, 2013, S. 20.
cite-note-1111. ↑ John T. Friedman: Imagining The Post-apartheid State. An Ethnographic Account of Namibia, Berghahn, 2013, S. 20.
cite-note-osi-1212. ↑ Indigenous coalition opposed to new dam. OSISA, archiviert vom Original am 4. MĂ€rz 2012; abgerufen am 28. Februar 2012.
cite-note-galdu-1313. ↑ Indigenous Himba Appeal to UN to Fight Namibian Dam. galdu.org, archiviert vom Original am 17. Oktober 2013; abgerufen am 6. April 2012.
cite-note-earthpeoples-1414. ↑ Himba chiefs Declaration. Earth Peoples, archiviert vom Original am 27. Juli 2018; abgerufen am 6. April 2012. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/earthpeoples.org
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